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Kluge Vorstehhunde oder rennende Gespenster (Richard Didicher)

Zwei hoch dekorierte Richter schreiten über ein Weizenfeld. Ein unscheinbarer, kleinwüchsiger Setter zieht im „Affentempo“ seine Schleifen, er überläuft Hühner, die ablaufen, den Richtern fällt es nicht auf, der Hundeführer ignoriert es natürlich.

Der Hund bekommt auch ohne Vorstehleistung für die „hervorragende“ Suche einen zweiten Gang angeboten.

Ein weiterer Hund von mittlerer Größe arbeitet im normalen Tempo, sucht sich den Wind, hält Kontakt zum Führer. Ausgeschieden: mangelnder Suche.

Nach fast vierzig Jahren Beschäftigung mit Vorstehhunden haben mich zwei Dinge stets sprachlos gemacht:

Die herrliche Anlage der Hunde, die in einer solch wundervollen Pose urplötzlich Wild vorstehen.

Hazel

und

die Dummheit vieler Hundeführer, Ausbilder und Richter, die diesen Vorgang nicht verstehen und einordnen können.

Ich verschone Sie mit einem Vortrag über die Komplexität der Geruchsorgane beim Hund und die Bedeutung des Jakobschen Organs in der Geruchswahrnehmung. Dies ist alles in jedem Lehrbuch für Zoologie nachzulesen.

Es ist auch allgemein bekannt, dass der Hund über 220 Millionen Riechzellen verfügt, der Mensch gerade mal über 5 Millionen.

Was aber die wenigsten wissen, die angeblichen Fachleute aber wissen sollten:

Riechzellen reagieren nur kurz (oft nur Sekunden) auf einen bestimmten Duft, selbst wenn dieser länger angeboten wird. Die Riechzellen werden danach „stumm“, man spricht von Adaption. Der Hund versucht durch Pendelbewegungen oder Schnüffelstöße diesen Vorgang zu umgehen, aber oft nimmt er ihn dennoch mehr sofort wahr.

Er bräuchte eine „Geruchspause“ um sich zu orientieren, um so die betreffenden Geruchsrezeptoren neu anzuregen.

Bei den Prüfungen ist aber ein rasantes Suchtempo gefragt, dies ermöglicht es dem Hund nicht, sich neu zu sortieren und die Reizrezeptoren wieder zu aktivieren.

Der Setter rennt wie ein Windhund über das Feld, überläuft Wild, da seine Riechzellen u. U. stumm sind und wenn er Glück hat, werden bei weiterem Wildbesatz seine Riechzellen wieder mit Duftstoffen stimuliert und es erfolgt das Signal zum Gehirn, das das Vorstehen bewirkt.

(Die angeblich ganz elitären Importe aus Irland verzichten dann auf das Vorstehen und werfen sich einfach zu Boden. Vorliegen nennt sich dieser zweifelhafte Vorgang, aber Hauptsache er zählt bei der Punktvergabe.)

Ich habe aber auch Hunde „mit der Nase im Wind tanzen sehen“ auf der Suche nach neuen Geruchseindrücken, eine einmalige Vorstellung. Doch dies geht nur, wenn der Hund selbständig arbeiten, d. h. sich orientieren kann.

Das närrische Rennen - oft einen Kilometer in die Tiefe und dann wieder zurück- hat nichts mit der Arbeit eines Vorstehhundes zu tun, denn in Wirklichkeit ist nur „Rennleistung“ gefragt.

Das sind keine Jagdhunde, sondern Prüfungsteilnehmer im Hochleistungssport mit schnellfüßigen Hundeführern in Turnschuhen, damit sie zum Hund sprinten, wenn er am Horizont vorsteht. Die Devise lautet natürlich: immer schneller, immer weiter.

Und die unbedachten Leser fragen sich, was an diesen Sportprüfungen falsch sei, wenn sie so viel Spaß machen?

Die Antwort ist einfach: Gar nichts, wenn es ein reines Sportvergnügen wäre, gäbe es da nicht noch einen traurigen Part in diesem Spiel: die vielen Fasanen und Rebhühner.

Sie werden in Volieren gezüchtet und vor der Prüfung ohne Flugerfahrung nach stundenlangen Transporten erschöpft ausgesetzt. Es sind Lebewesen, herrliche Vögel und der Mensch hat kein Recht, sie grundlos als Sportvergnügen dem Raubzeug zum Fraß vorzuwerfen.

Diese Tiere haben keine Lobby und es gibt niemanden, der für diese Geschöpfe auf die Straße geht. Doch auch das wäre Schutz unserer Umwelt.